Architekt Möckel

Der Architekt Gotthilf Ludwig Möckel

1838 Gotthilf Ludwig Möckel wird am 22. Juli 1838 in Zwickau geboren. Er ist das erste Kind aus der zweiten Ehe seiner Mutter Caroline Rosine Möckel, geborene Blumer, verwitwete Tell (*1797–†1876). Sein Vater, Gotthilf Heinrich Möckel (*1786–†1847), entstammt einer Zwickauer Kupferschmiededynastie und arbeitet selbst als Kupferschmied. Da sein Vater bereits früh verstirbt, lebt die Familie Möckel in bescheidenen finanziellen Verhältnissen.
1844 – 1852 Gotthilf Ludwig Möckel besucht die Zwickauer Bürgerschule.
1852 – 1853 Er besucht die Königliche Gewerbeschule in Chemnitz, wo ihm gute Leistungen im geometrischen Zeichnen und Freihandzeichnen bescheinigt werden.
1853 – 1856 Möckel absolviert eine Maurerlehre bei dem Zwickauer Meister August Heinrich Bekker. Gleichzeitig besucht er als Teil seiner Ausbildung von 1853 bis 1854 den Unterricht der Zwickauer Sonntagsschule sowie ab 1854 die Chemnitzer Baugewerkenschule. Dort legt er am 11. März 1856 seine Gesellenprüfung mit der Durchschnittsnote 1,3 ab.
1856 – 1858 An die Lehre schließt sich eine zweijährige Tätigkeit bei Heinrich Bekker an, während der Möckel bereits selbstständig Bauausführungen leitet.
1858 – 1860 Er arbeitet für die Obererzgebirgische Staatsbahn in Zwickau, die Königlich Sächsische Staatseisenbahn in Chemnitz sowie für die Zwickauer Baufirma Eduard Fleckig. Dort fertigt er eigene Entwürfe an und ist als Bauleiter tätig.
1860 Im Juni 1860 zieht Möckel nach Hannover, um an der dortigen Polytechnischen Schule (gegründet 1831) Architektur zu studieren. Zur Finanzierung seines Studiums arbeitet er gleichzeitig von 1860 bis 1862 im Architekturbüro von Edwin Oppler. Dort wird sein weiteres Schaffen maßgeblich geprägt und im Sinne der Oppler’schen Lehren beeinflusst.
1861

Möckel schreibt sich als Hörer in den Kurs „Baukunst III“ für höhere Baukunst ein. Darüber hinaus besucht er bevorzugt Übungen und Vorlesungen von Conrad Wilhelm Hase und Debo sowie den Ornamentikunterricht von Lüer. Alle drei Professoren bescheinigen ihm in schriftlichen Zeugnissen die regelmäßige Teilnahme an den Veranstaltungen sowie großen handwerklichen Fleiß.

Die Zeit in Hannover prägt insbesondere seine Hinwendung zur Gotik im Sinne von Hase und Oppler. Sowohl die Verwendung von Backstein als sichtbares Material, die Materialgerechtigkeit, funktionale Konstruktionen und klare Grundrissentwicklungen als auch die Verwendung eiserner Beschlagwerke im Innenraum werden dort entscheidend angeregt.

1862 – 1865 Möckel ist in Göttingen beim Bau der Irrenanstalt als erster Assistent von Julius Rasch angestellt.
1865 Seit Ende des Jahres bemüht sich Möckel in Dresden um die Zulassung zur Prüfung für Bauhandwerker. Die ihm am 9. Dezember gestellte Prüfungsaufgabe verlangt die Konstruktion eines Sakralbaus.
1866 Möckel kehrt gemeinsam mit seiner zukünftigen Frau Emilie Amalie Christine Schlegel aus Göttingen in seine Heimatstadt Zwickau zurück. Dort heiraten beide am 25. Juni 1866.
1867 Im Juni 1867 besteht Möckel das Examen mit der Note „Gut“ und erhält damit die Befähigung, selbstständig als Bauhandwerker tätig zu sein.
1867 – 1868 Als selbstständiger Bauhandwerker ist Möckel rasch erfolgreich. Bereits zwischen 1867 und 1868 ist er in der Lage, sich ein eigenes Haus zu bauen.

In Möckels Zwickauer Zeit entstand eine Vielzahl von Villen- und Wohnhausbauten, bei denen durch die Verwendung von Klinkern, Hausteinen, Fachwerk und gotischen Formen seine Zugehörigkeit zur Hannoverschen Architektenschule deutlich wird.

Zu den ausgewählten Bauwerken zählen die Villa Engelbrecht (1868), die Zwickauer Bade- und Heilanstalt (1866–1869), die Villa Richard List (1868–1869), die Villa Dautzenberg (1871) sowie die Bebauung der Römerstraße in Zwickau (1868), bei der 16 Häuser in geschlossener Zeile entstanden. Seit dem Bau der Villa Dautzenberg entwickelte Möckel zudem eine Vorliebe dafür, passend zu seinen Gebäuden auch das hölzerne Interieur zu entwerfen.

Im Jahr 1873 begann Möckel zwei Projekte, die erstmals eine größere stilistische Flexibilität in seinem Schaffen erkennen lassen. Mit der Villa Julius Bilz (1873–1875) und dem Wohnhaus des Kaufmanns Gustav Engelbrecht (1873–1874) treten erstmals Renaissanceformen in Möckels Architektur auf.

Trotz seines Erfolges siedelte Gotthilf Ludwig Möckel aus beruflichen Gründen nach Dresden über. Bereits 1873 hatte er sich erfolgreich an der Ausschreibung für den Bau der Johanneskirche in Dresden beteiligt. Die Aufgabe erforderte seine ständige Anwesenheit, weshalb er im Juni 1875 nach Dresden zog. Die Johanneskirche gilt als sein überzeugendster Kirchenbau. Für dieses Bauwerk wurde ihm das Ritterkreuz I. Klasse des Albrechtsordens verliehen.

Während seiner Dresdner Zeit war Gotthilf Ludwig Möckel insbesondere für den Bau und die Restaurierung von Kirchen sehr gefragt. Zwischen 1875 und 1885 betreute er insgesamt 33 Kirchenbauten, darunter 18 Neubauten. Zu ihnen gehörte unter anderem die Erlöserkirche in Striesen (1878–1880), deren Auftrag Möckel nur erhielt, weil sein Entwurf kostengünstiger war als der des Architekturbüros Giese & Weidner.

In seine Dresdner Zeit fallen zudem die vier Schlossbauprojekte in Wohla, Klemzig (1880–1881), Schönfeld (1882–1884) und Grätz. Darüber hinaus errichtete er 1876 für den Rittergutsbesitzer Christian Gotthilf Ebert ein schlossähnliches Herrenhaus in Klösterlein.

 

1877 Möckel errichtet sich in Dresden eine eigene Villa in der Leubnitzer Straße 13e, die in gotischen Formen gestaltet ist. Sie dient ihm gewissermaßen als gebaute Visitenkarte.
1885

Für Möckel beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Er erhält den Auftrag zur Renovierung des Doberaner Münsters, der Grablege der Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin. Um ihm die Übersiedlung attraktiver zu gestalten, werden ihm zudem Folgeaufträge für den gesamten Klosterkomplex sowie die umliegenden Kirchen in Lichtenhagen, Lambrechtshagen, Parkentin, Rethwisch, Steffenshagen, Retschow und Kröpelin übertragen.

Anfang des Jahres 1885 zieht Möckel nach Doberan um. Die noch unvollendeten Dresdner Aufträge übergibt er dem Architekten Christian Gottfried Schramm.

In Doberan kann sich Möckel rasch etablieren, da es kaum Konkurrenz gibt. Am 8. Mai 1885 wird er zum Baurat für Kirchenbausachen und technischen Beirat des Oberkirchenrats berufen. Damit tritt er in den Staatsdienst ein und erhält ein jährliches Gehalt von 6000 Mark. In dieser Funktion prüft er sämtliche Bau- und Restaurierungspläne der Distrikts- und Landbaumeister, unterbreitet Verbesserungsvorschläge und übernimmt teilweise selbst die Leitung einzelner Projekte. Alle nicht den Staatsdienst betreffenden Aufträge werden ihm auf Honorarbasis vergütet.

Dennoch nimmt der Kirchenbau neben wenigen Profanbauten den größten Teil seiner Tätigkeit in Doberan ein. Unter anderem entstehen die Villa Winter (1885), seine eigene Villa (1885/1888) sowie das Doberaner Gymnasium.

Seine guten Beziehungen zum Adel führen außerdem zu weiteren Schlossbauprojekten. Dazu zählt das Jagdschloss Gelbensande (1885/1886), das er für Großherzogin Anastasia Michailowna entwirft, die sich einen weniger repräsentativen Jagdsitz wünscht. Dieser soll komfortabel, individuell gestaltet und zugleich der Erholung dienen.

Möckel baut zudem Schloss Melkof (1888) für den Grafen von Kanitz um und übernimmt Umbauten am Schloss Preyl bei Königsberg. Die Tätigkeit in Doberan allein lastet ihn jedoch nicht aus, sodass er gern auch auswärtige Aufträge annimmt. Dabei spielen sowohl finanzielle Gründe als auch sein ausgeprägter Profilierungswille eine Rolle.

So erhält Möckel unter anderem Aufträge für das Rostocker Ständehaus (1888–1893), die Heilig-Kreuz-Kirche in Rostock (1892), die Potsdamer Erlöserkirche (1896–1898), die Lutherkirche in Danzig (1899) sowie sogar für eine Johanneskirche (1906) im kleinasiatischen Smyrna.

In den 1890er Jahren verschlechtert sich sein Gesundheitszustand zunehmend, sodass er mehrfach Kuraufenthalte beantragen muss.

 

1890 Nach Abschluss der Arbeiten an der Doberaner Kirche wird Möckel zum Geheimen Hofrat befördert.
1915 Am 1. Oktober 1915 scheidet Möckel aus gesundheitlichen Gründen aus dem Staatsdienst aus. Kurz darauf, am 26. Oktober 1915, verstirbt er.

In seiner Doberaner Schaffensperiode reduzieren sich Möckels architektonische Ausdrucksmittel deutlich. Nutzt er während seiner Dresdner Zeit noch eine große Vielfalt an Materialien – darunter Granit, Sandstein, Backstein in unterschiedlichen Farben, Formen und Glasuren sowie Terrakotta –, zeigt er sich dort auch gegenüber Renaissanceeinflüssen offener.

In Doberan hingegen konzentriert er sich überwiegend auf die Verwendung von Backsteinwänden in Kombination mit Fachwerk und bleibt größtenteils den gotischen Bauformen verpflichtet. Zudem verstärkt sich seine Vorliebe für reich gestaltete Holzvertäfelungen mit dekorativen Eisenbeschlägen.